so...
1. Nicht jeder Züchter hält seine Tiere in Einzelhaltung. Die Einzelhaltung von Jungtieren unter 2 Monaten wird überhaupt nicht praktiziert.
2. Ich kenne eine Menge Züchter, die ihre Althäsinnen über den Winter zusammen in eine Art Freilauf setzen. Nun gut, man kann jetzt sagen, dass diese dadurch schneller zu füttern und leichter zu säubern sind. Entspricht häufig sogar neben dem Punkt, dass man dann Ställe für Ausstellungstiere frei hat, der Wahrheit. Aber folglich handelt es sich nicht um eine generelle Einzelhaltung.
3. Tierzucht hat nichts mit Tierliebhaberei zu tun, weil wir die Tiere aus Profitgründen (wegen Schlachten und Essen und Tierverkauf wie du es ausgedrückt hast) ziehen... so... nun muss ich erst mal zurücktreten, mir den Bildschirm von Ferne ansehen und schallend lachen. Aus Profitgründen kann man ja eine Menge machen, auch sind mir alle Erwerbsregeln der Ferengi vertraut, aber ich kann nichts davon mit Kaninchenzucht in Verbindung bringen. Wer Kaninchen aus finanziellen Gründen zieht hat ganz schnell ein mächtiges Problem. Das wird dir jeder ernstzunehmende Züchter (auch Liebhaberzüchter von Rassefreien Tieren) bestätigen können. Die Kosten der Kaninchenhaltung, Tierarztrechnungen, Futterrechnungen, aufgewendete Arbeitszeit etc. liegen astronomisch weit über dem, was man durch den Verkauf seiner Tiere einnehmen kann, zumindest wenn man ernstzunehmend züchtet. Nun gut, ich habe auf der letzten Ausstellung für eines meiner Tiere auch 16 verschiedene Gebote bekommen, sogar gesagt bekommen ich könne "jeden" Preis verlangen (und alles "nur" für ein Teddykaninchen aus dem Streichelzoo). Das Tier ist jedoch eines meiner besten Zuchttiere, folglich verbleibt es in meinem Stall. Mir wurden 40 Euro geboten, ich habe "Nein" gesagt. Wenn das Tier mir jetzt im Stall umkippt, kann es vielleicht sogar sein, dass ich mich ärgern würde, es nicht verkauft zu haben. Aber dieses Tierchen war ein Einzelfall und nur durch seine Farbe und sein Fell auf einer Rassekaninchenausstellung ziemlich stark aufgefallen. Es ist halt immer das Einzigartige, was Blicke auf sich zieht.
4. Wenn die Züchter nicht mehr züchten würden, gäbe es nicht so viele Tiere in Tierheimen. Nun muss ich noch mehr lachen. Hast du dich mal in Tierheimen und Zoohandlungen umgesehen? Wo sind dort die Massen von ordentlich tätowierten Tieren? (Das Teuto-T ist keine standardisierte ordentliche Tätowierung, sondern nur Zeichen einer Vermehrungsfarm). Nicht die Züchter sind das Problem, sondern diejenigen Vermehrer, die nicht verantwortungsbewusst mit der Materie "Tierzucht" umgehen. Eben die, die meinen mit Tierzucht sei ja Geld zu verdienen. Dort werden zuchtuntaugliche Tiere wild vermehrt, je mehr desto besser, Fehler werden nicht ausgemerzt und fleißig weitergegeben, solche fehlerhaften Tiere werden dann als "Nottiere" von irregeleiteten Haltern aufgenommen die wild über die Züchter schimpfen, die so etwas züchten. Eine Möglichkeit wäre, die fehlerhaften Tiere dorthin zu packen, wo sie hingehören. Bei Minus 18 Grad Celsius in einen Schrank. Diese Tiere weiter zu vermitteln ist für mich ein Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesenzeichen von Tierliebhaberei. Das Tier wird dazu gezwungen ein Leben zu führen, welches ihm von der Natur so nicht aufgezwungen würde. Dort würde es nämlich schon längst einem anderen Zweck dienen, nämlich dem Fortbestand der gefährdeten Rasse der Reineckes. Auch kleine Füchslein wollen nämlich etwas zu fressen haben, die weinen auch nach ihrer Mama.
Zahnfehlertiere haben ein wirklich tolles Leben, sie haben Zahnschmerzen, die mit dem Nachstellen einer festen Zahnspange vergleichbar sind, sie können nicht gut fressen, wodurch sie Verdauungsstörungen bekommen, sie werden zum Tierarzt geschleppt, weil ihre Zähne so lang sind, dass sie nicht fressen können und haben dann nach dem Abknipsen der Zähne wieder Zahnschmerzen. Ihr Leben lang. Tolle Tierliebe. Genauso wie bei Tieren mit gebrochenen und falsch zusammengewachsenen Gliedmaßen, die man nötigenfalls in eine Art Rollstuhl setzt, damit sie sich weiter quälen können oder Tiere, die durch eine Krankheit im Gehirn den Kopf so schief halten, dass sie bald umkippen und nicht mehr geradeaus laufen können. Wunderbare Lebensqualität ist das. Und so natürlich fürs Tier.
Aber der Züchter, der darauf achtet, dass solche Krankheiten nicht vorkommen und sie ausmerzt bevor sie zu einer Qual fürs Tier werden, ist ja ein Tierquäler.
Aber der Züchter, der ein Tier lieber aufisst, als es in ein Tierheim zu stecken, wo es dann von Halter zu Halter weitergereicht wird wie ein ungeliebtes Weihnachtsgeschenk der Schwiegermutter, ist ja ein Tierquäler.
Aber der Züchter, der durch Einzelhaltung für die optimale Gesundheit seiner kleinen Schützlinge sorgt, dafür dass sie bestes Futter und gute Pflege für einen schönen Fellglanz (und entsprechende Bewertungen auf der Ausstellung) haben, ist ja ein Tierquäler.
Bevor du hier über Züchter meinst urteilen zu können, solltest du dich erst einmal mit der Materie der Zucht zumindest halbwegs bekannt machen, dann wüsstest du, dass ZUCHT absolut NICHTS mit der puren Vermehrung von Einzelexemplaren zu tun hat. Dass nämlich Zucht die kontrollierte Voranbringung eines Kulturgutes namens Kaninchen ist.
Erklär mal dem Züchter eines Oldenburger Sportpferdes, dass er keine Pferde mehr züchten soll, weil ja die Brumbies in Australien zu Tausenden abgeschossen werden. Der wird dir erklären, dass zwar beide der Obergruppe "Pferd" angehören, aber ansonsten nix miteinander zu tun haben. -Und bei den Brumbies handelt es sich sogar noch um die Nachkommen von hochqualifizierten Kavalleriepferden. Auch wird ein echt-bayrischer Bierbrauer garantiert hocherfreut sein, wenn Scheich Hadschi Halef Omar ihm ein Zwölfergespann feinster Araber vor die Bierkutsche zu spannen versucht. -Der Scheich dagegen freut sich garantiert riesig über ein Shetland-Pony.
Die verschiedenen gezüchteten Rassen haben NICHTS mit wilder Vermehrerei zu tun, sondern alle in ihrer Art eine besondere Daseinsberechtigung, weil sie sich von den Anderen hochgradig unterscheiden. Einen Angora-Pullover aus Blau-Wiener-Fell würde ich für meinen Teil trotz des Umstandes, dass ich blau viel lieber mag als weiß doch eher ablehnen. Und NEIN! Die Angoras werden nicht zur Wollgewinnung geschlachtet. Nur geschoren. Und kein Synthetik-Stoff kommt gegen echte Angora-Unterwäsche an. Jede Rasse hat ihre Liebhaber. Mir würde kein Englischer Widder in den Stall kommen, mein Zuchtfreund mit den Grauen Wienern mag keine Hasenkaninchen, der Hasenkaninchenzüchter findet meine Zwergwidder zu plump. Das ist das Schöne, für jeden ist etwas dabei. Und wenn der eine einzige Züchter von blauen Zwergwidder-siamesen in Deutschland mit seiner Zucht aufhört, wird diese Rasse aussterben.
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Dann sah ich das Licht am Ende des Tunnels, doch es war nicht der Ausgang, es war der Zug.
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1-mal bearbeitet, zuletzt am 30.11.06, 12:03